Interview 2009 mit Stella und PJ Wassermann

Interview 2009 von Markus Ganz mit Stella und PJ Wassermann

Dieses Interview 2009 bildete die Grundlage für einen Artikel über Stella & PJ im Buch “Musik aus dem Nichts” (2010 Chronos Verlag, herausgegeben von Bruno Spörri).

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Wie seid Ihr zur elektronischen Musik gekommen?
Stella: Wir hatten früher eine Rockband mit PJ an der Gitarre und mir am Bass. Wir hatten immer Mühe mit dem Schlagzeuger, so kam uns die Schlagzeugmaschine “Dr. Rhythm” von Boss sehr gelegen.

PJ: Ich hatte schon als Gitarrist eine Neigung zum elektronischen Sound – mit Verzerrer, Flanger, Wha-Wha. Das erste Gerät, das wir zusammen kauften, war ein “Space Echo” von Roland. Stella hatte damals eine Einzimmerwohnung in Zürich, und ich zog mit all meinen Geräten zu ihr… Und dann kam noch der ARP 2600 ins Zimmer. Der Importeur Jacques Isler, bei dem ich schon meine Gitarren kaufte, sagte zu uns eines Tages 1978/79: Den müsst ihr haben! Das fanden wir auch – nur konnten wir es uns nicht leisten. Er sagte einfach: nehmt es mit – und zahlt es irgendwann. Er war ein cleverer Verkäufer…

Stella: … aber er hat uns immer unterstützt, indem er uns Geräte mitgab, die wir nicht sofort bezahlen mussten. – Ich fuhr dann voll auf die Elektronik ab, sie eröffnete mir eine völlig andere Dimension, eine andere Welt.

PJ: Und wir waren natürlich auf dem psychedelischen Trip. Unser erstes, sehr kleines Studio mieteten wir in Oberwil von der Gemeinde für etwa 100 Fr., der Keller unter uns war permanent etwa einen Meter überflutet. Dort haben wir dann jahrelang jedes Wochenende LSD eingeworfen und Musik gemacht.

Stella: Wir gingen auf die Suche, wir forschten nach dem Kern. Als wir das Album “Psychotron” 1982 unter dem Namen Schaltkreis Wassermann veröffentlichten, waren waren viele Leute vor den Kopf gestossen. Ossi Drechsler (von der Plattenfirma Polydor) etwa fand, das könnten wir doch nicht machen!Das war nicht Ossi, der war doch ganz nett zu uns) Auch an der Fachmesse MIDEM waren viele entsetzt von der Musik und fanden, das könnt ihr doch nicht machen – heute findet man es in gewissen Kreisen in Deutschland, England und in Italien Kult, es werden immer noch Bootlegs davon gemacht.

Das Erforschen von neuen Klangwelten lief quasi parallel zur Bewusstseinserweiterung – war es eine eigentliche LSD-Platte?
Stella: Ja, wir hatten auch intensiven Kontakt zum Psychiater Roubicek (zusammen mit Stanislas Grof die Exponenten der damaligen psychiatrischen LSD-Szene in der Tschechoslowakei, Roubicek flüchtete dann in die Schweiz)und zu Albert Hofmann; die wussten, dass wir Experimente mit Musik und LSD machten – wissenschaftlich begleitete Experimente waren aber nicht möglich. Es kam die Zeit von Punk und Ronald Reagan, auch in der Musikszene waren wir plötzlich die einzigen mit langen Haaren. Wir wurden von den Jungen nicht akzeptiert – erst in der Goa-Szene fanden wir Ende der achtziger Jahre eine Art von Zuhause und viele Freunde, dort werden wir auch heute immer wieder für Konzerte engagiert.

Albert Hofmann besuchte uns immer wieder und er hat uns immer wieder unterstützt, er hat uns sogar eingeladen  bei ihm zu wohnen, seine Frau wollte aber jemanden, der beim Putzen hilft. Wir wurden auch von einigen Institutionen unterstützt; die Kunstgewerbeschule etwa gab uns einen Auftrag für die Komposition “LUX“.

PJ: Eigentliche Förderbeiträge erhielten wir aber nie, keinen Franken! Wir lebten von Auftragsarbeiten, vor allem Film-Vertonungen.

Wer hat euch beeinflusst neben Kraftwerk und Steve Hillage?
PS: Für mich klar die Beatles, Pink Floyd und Jimi Hendrix, im elektronischen Bereich primär Kraftwerk – “Mensch-Maschine” haben wir uns eine Weile lang permanent angehört. Hillage hat mich auch wegen seinen speziellen Gitarren-Synthi-Sounds sehr interessiert, die der Zeit voraus waren. Ich habe auch einige Gitarrensynthesizer ausprobiert, aber das hat nie zufriedenstellend funktioniert.

Stella: Bis heute nicht! Für mich wichtig war auch noch Phil Spector mit seiner Produktionstechnik, der Wall of Sound.

Habt Ihr einen Austausch mit ähnlichen Musikern gepflegt?
Stella: Wir hatten vereinzelt Kontakt zu Robert Fripp, Conny Plank, Can; in letzter Zeit vermehrt auch zur Goa-Szene in Ibiza. Aber damals gab es nicht viele ähnlich ausgerichtete Musiker,

Ihr wart irgendwie allein, gehörtet keiner Szene an…
Stella: Wir waren vielleicht am falschen Ort. Wir gingen zwar einmal in die USA, hatten aber den Eindruck, dass die noch weiter zurück waren, Berlin oder London wäre wohl besser gewesen. Wir waren stets zwischen Stühlen und Bänken, zwischen E- und U-Musik. Wir waren nicht Teil der Popszene und ich habe mich auch nie als Rock-Musikerin- oder –Sängerin verstanden. Wir gehörten auch nicht zur E-Musik, obwohl wir an der Basler Musikakademie auch Kurse von David Johnson besuchten, der uns sehr grosszügig Zugang zum Studio gewährte. Mit Thomas Kessler hatten wir öfter Kontakt, aber das war mehr ein technischer Erfahrungsaustausch bezüglich Fairlight – stilistisch sind wir völlig anders ausgerichtet.

PJ: Wir kriegten auch keine Unterstützung, weil wir weder studiert hatten noch Abschlüsse vorweisen konnten. Deshalb mussten wir immer Brotjobs übernehmen.

Stella: Es war hart, weil wir nicht akzeptiert wurden, aber auch toll, weil wir in einer spannenden Welt waren, wo ich viel gelernt habe.

Ihr wurdet nicht von einer Szene getragen, dafür musstet Ihr euren eigenen Weg gehen…
PJ: Das hat etwas. Durch die psychedelische Prägung waren wir nochmals anders als alle anderen..

Stella: So freaky wie wir war im elektronischen Bereich niemand.

Hattet Ihr Kontakt zu Grauzone, Yello…
PJ: Nicht direkt.

Stella: In den Medien wurden wir oft mit Yello verglichen, aber meist mit einem hämischen Unterton. Nun, wir hatten ein anderes, sehr kleines Budget – Dieter Meier konnte mit der grossen Kelle anrichten. Wir machten aber wie Boris Blank auch viele Signete für Radio DRS3 und erhielten 1992 zusammen mit Boris und François Mürner den internationalen “Prix Italia” für das beste Radio-Jingle-Serie.

Brainticket?
PJ: Ich habe in den frühen 70er Jahren einige Male mit Joël und Barnie Palm gejammt, bevor ich Stella kannte.

Später Touch El Arab?
Stella: Ja, Philippe Alioth kam oft zu ins Studio, ging quasi bei uns in die Lehre, auch Christine Lauterburg kam einmal vorbei und liess sich von uns inspirieren.

Aber es gab keine Szene, die einen Austausch pflegte?
Nein.

War denn eher Jacques Isler ein Sammelpunkt der Elektronikmusiker?
Ja, auf jeden Fall, indem er die Geräte vertrieb, er hat übrigens wieder eine Firma in Norddeutschland, www.g66.eu.

Und Studios?
PJ: In den 90ern Glenn Miller, von Bruno Spoerri kauften wir den Prophet, aber wir hatten nicht engeren Kontakt, weil wir aus einer anderen Generation sind.

Fachmagazine?
PJ: Studio Sound; ich habe als Autodidakt aber auch viele Bücher zum Thema gelesen wie etwa von Alan Robert Pearlman (ARP); man konnte elektronische Musik damals ja nicht an einer Schule lernen.

Stella: Aber PJ hat bei Geräten stets in kürzester Zeit die Schwachstellen gefunden. Es war jedes Mal wahnsinnig aufregend, welche neuen Sounds man mit einem neuen Gerät machen konnte.

Seid Ihr bei euren Stücken vor allem von Klängen ausgegangen?
Stella: Ja, auf jeden Fall.

Dann habt Ihr zu Beginn eure Stücke vor allem mit dem ARP 2600 gemacht?
Stella: Ja, das war unser erster Synthi, und ich habe während der Aufnahmen jeweils am liebsten die Filter auf- und zugemacht, die Resonanz und die Hüllkurven verändert etc.

PJ: Dann kauften wir bald den ARP Avatar Gitarrensynthi, der allerdings eine Fehlinvestition war, weil er nicht zu spielen war wegen der Verzögerung und der Instabilität der Töne. Wir hängten ihn dann an den vierstimmigen Microcomposer MC-4, was zusammen mit dem Roland 100M, dem ARP 2600, dem Prophet und “Dr. Rhythm” lange unser Basis-Set war.

Wie hattet Ihr es mit digitalen Synthesizern wie dem DX-7?
PJ: Man hat nicht das selbe Feeling als Programmierer, vor allem weil man meist nicht gleichzeitig mehrere Parameter ändern kann.

Stella: Wir haben immer wieder digitale Synthesizer getestet, aber die analogen Sounds gefallen mir auch heute noch besser.

PJ: Wir haben kürzlich einen Moog Voyager gekauft – der ist klanglich unübertroffen.

Mit welchen neuen Geräten arbeitet Ihr heute?
PJ: Ich bin eingefleischt auf LogicPro, auch die integrierten Synths sind sehr gut, und ich habe jede Menge Soft-Plug-ins. Sonst bin ich immer noch ein Anhänger von Analog-Synths.

Es war mit den frühen Synthesizern wie dem ARP 2600 ja ziemlich aufwändig, Sounds zu kreieren, abspeichern konnte man sie nicht…

Stella: Wir haben die Geräte aber bis zum Letzten ausgereizt

Heute kriegt man die Sounds auf dem Serviertablett geliefert…
PJ: Ja, alles ist bereits vorhanden, praktisch jede Idee lässt sich realisieren.

Stella: Ich finde es heute aber deutlich schwieriger, weil man so viele Möglichkeiten hat. Die kann man doch gar nicht alle erfassen und für die Gestaltung eines neuen Sounds einsetzen. Früher hatten wir einfach den “Dr. Rhythm” und einige Synths wie die ARPs – wir brauchten da zwar viel Zeit, um die Klänge zu schaffen und die Einstellungen aufzuschreiben, aber diese Sounds waren uns heilig, auch wenn sie bereits am nächsten Tag jeweils leicht verändert waren.

Ihr habt also noch alle Sounds selbst gemacht?
Stella: Ja, und auch den Sequencer “programmiert”, der für mich das Grösste war. Da hatte man ja nur 16 Schritte zur Verfügung, entsprechend häufig musste man später Tonband schneiden und kleben. Es war irrsinnig viel Arbeit.

Die Beschränkung musste man vielleicht mit umso mehr Phantasie kompensieren?
Stella: Ja, das gilt auch für andere Aspekte, etwa wie man das allgegegenwärtige Problem Rauschen bekämpfte.

Wie habt Ihr aufgenommen?
PJ: Zunächst mit einer Teac-4-Spur-Maschine, auf der wir eine Spur mit dem Sync-Tone belegten. Für die Synchronisierung musste man die Stücke allerdings immer von Anfang an laufen lassen, man konnte nicht irgendwo einsteigen. Es war sehr mühsam, ich litt unter solchen Beschränkungen. Deshalb muss ich bei aller Nostalgie sagen: Ich geniesse es absolut, mit Logic Pro zu arbeiten: Das ist eine optimale Arbeitsumgebung, von der ich lange geträumt habe. Später stellten wir dann auf eine 8-Spur um, die wir erstmals bei “Zeit und Raum” mit Martin Biland einsetzten.

Wir machten viele Brotjobs – Film-Vertonungen, Werbung – und investierten die Einnahmen gleich wieder in neues Equipment, damit wir besser arbeiten konnten. Die Teac etwa verzerrte immer bei gewissen Pegeln und Sounds, was ich auf Fehler von mir zurückführte, bis ich erstmals mit einer Studer arbeiten konnte, wo klanglich genau das wieder herauskam, was man zuführte.

Wie hat der Computer Einzug gehalten?
PJ: Das war der Atari ST mit Cubase Ende der achtziger Jahre – und er war ein grosser Fortschritt. Wir hatten auch verschiedene Commodores, schon den 4032, aber die setzten wir für die Lightshow ein – die sogar synchron zur Musik lief; ironischerweise fanden wir niemanden, der dies auf Video aufnehmen konnte. Die technische Situation war wirklich sehr frustrierend, wir investierten extrem viel Zeit.

Stella: Eigentlich können wir Schaltkreis Wassermann erst jetzt multimedial so auf die Bühne bringen, wie uns das damals vorschwebte (mit “Grand VJ”, synchr. über MIDI). So macht es Spass, PJ an der Virtual Guitar (Roland VG-99, gespielt mit einer “echten” Gitarre und Hex-Pickup) und ich mit dem Gesang können nun auch gut improvisieren zu den Backing Track ab Laptop.

PJ: Wobei es immer noch ein gewisses Risiko ist, mit einem Computer auf die Bühne zu gehen; Macs sind aber schon recht zuverlässig. Aber eigentlich begann der Computereinsatz schon 1983 mit dem Fairlight, den wir 1983 leasten – fortan zahlten wir während fünf Jahren monatlich Fr. 1000.- dafür, danach kamen diverse Erweiterungen hinzu. Es war eine Katastrophe, wir hatten nie Geld, konnten nie in die Ferien. Wir lebten äusserst sparsam und investierten stets soviel wie möglich – es war ein ewiger Seiltanz. Mit dem Fairlight machten wir dann ja das Stück “Muh!” (1985)…

… mit dem Ihr den Fairlight wohl amortisieren konntet…
PJ: Teilweise. Die meisten Leute nahmen an, wir seien damit zu Millionären geworden. Das wären wir auch, wenn man das weltweit hätte vermarkten können. Wir hatten nicht die richtigen Beziehungen – die einen waren unfähig, die anderen Gangster; so war es eigentlich immer im Musikbusiness.

Der Fairlight war toll, in verschiedener Hinsicht aber auch eine Katastrophe, die Klangauflösung etwa war nur in 8 Bit. Nachher kam der E-mu III, und auch der kostete noch etwa 20 000 Fr., für 4 MB RAM zahlte ich noch Fr. 2000.- dazu.

Stella: Irgendwann entschieden wir uns, nicht immer das Neuste zu kaufen und stattdessen in die Ferien zu gehen.

PJ: “Muh!” war für uns sehr zweischneidig: einerseits war es sehr schön, dass wir endlich einmal Erfolg hatten und ein bisschen verdienten, auch wenn die Plattenfirma den Grossteil bekam. Andererseit haben wir damit unsere Fans von Schaltkreis Wassermann vergrault. Kommerz! Wir wurden stark angefeindet.

Stella: DRS3 boykottierte den Song lange und spielte ihn nur in der Hitparadensendung. Lustigerweise war DRS3 aber begeistert von der englischen Band Inspiral Carpets, die vor ihren Konzerten jeweils “Muh!” laufen liess. Durch das hat DRS3 unser Stück einige Jahre später doch noch akzeptiert.

Stella: Viele Schweizer haben einfach einen Komplex wegen dieser Kuh.

PJ: Es gab aber auch hier viele Fans von “Muh!”.

Der Song brachte euch also auch eine neue Zuhörerschaft…
PJ: Ja, aber diese Fans konnten nichts mit der Musik von Schaltkreis Wassermann anfangen. “Muh!” brachte uns mehrere Jahre vom Kurs ab. Wir machten die Erfahrung, dass man doch einigermassen von der Musik leben kann. Es ist nur logisch, dass wir dem nachgingen und mit “Yo-Lollo-Diuh” noch einen zweiten Top-Ten-Hit hatten, auch das Album “Matterhorn Project” hatte einigen Erfolg. Dann kam unser Sohn Sean auf die Welt und damit gewisse Verpflichtungen. Wir kamen auch untereinander in einen gewissen Zwiespalt. Stella hatte zunehmend die Nase voll vom Musikbusiness – verständlich nach all dem, was wir erlebt hatten. Ich musste sie dann richtig beknien, als ich ca. 2007 Schaltkreis Wassermann wieder beleben wollte. Wir geben seit August 2008 damit wieder Konzerte und sind beide ganz happy damit.

Stella: Ich finde “Muh!” immer noch gut gemacht und witzig, aber meiner Meinung nach hätten wir knallhart bei der Musik von Schaltkreis Wassermann bleiben sollen. Aber weil wir nie Geld hatten, mussten wir anders denken.

PJ: Ich zog mich dann zunehmend ins Studio zurück und wirkte bei mehreren Projekten als Produzent. Nur, bös gesagt: Die einen Musikern hatten Talent, die anderen Geld, aber nicht gleichzeitig. Auch dies führte nirgendwo hin. Unsere eigene Musik konnten wir international immer verkaufen, aber bei den Projekten mit anderen Musikern kam es zu keinem Erfolg. Etwa 1993 merkte ich, dass ich keine Musik mehr für Werbung machen kann. Ich habe auf allen meinen Instrumenten Lieblingssounds, meine selbst programmierten Sounds, und wenn ich die für Werbemusik einsetzte, verkaufte ich irgendwie auch mich selbst und die Sounds waren nachher für mich kaputt. Ich machte dann noch “Eternal Bliss” Mitte der 90er Jahre, das war PsyTrance und kam recht gut an; mit unserem Sohn Sean habe ich übrigens kürzlich auch das zweite Album von “Eternal Bliss” fertig gestellt. Ich sah damals aber ein, dass man nicht davon leben kann, auch wenn man ansehnliche 2500 – 3000 CDs verkauft. Ich habe dann schweren Herzens aufgehört, vollberuflich Musik zu machen.

Stella: Es laugt einen auch aus, wenn man an Orten auftreten machen muss, wo es einem nicht wohl ist. Ich sagte mir, dass ich musikalisch nur noch das machen will, das aus meinem Herzen kommt.

Wie war das für euch, als Ende der achtziger Jahre die Techno-Bewegung losging?
PJ: Wir haben das schon mitgekriegt, aber wir hatten da ein kleines Kind.

Stella: Es hat mich verändert, dass ich Mutter wurde. Ich merkte dann aber, das ich mich in der Goa-Szene musikalisch und mental wieder fand, erstmals an einer kleinen Goa-Party in Balsthal 1988/89, einer der ersten der Schweiz. Wir sind keine Goa-Freaks und Schaltkreis Wassermann kein Goa-Projekt, aber diese Leute haben uns und zunehmend auch unsere Musik angenommen, uns auch für Konzerte engagiert, gerade auch auf Ibiza, aber auch in der Schweiz, und es gefällt uns in dieser Szene.

PJ: Bei kleineren Anlässen erwartet man aber oft, dass man gratis spielt… Ich finde heute die Entwertung der Musik, dass der Diebstahl zum Allgemeinverhalten wurde, eine absolute Katastrophe. Die Leute glauben, sie klauen die Musik von den multinationalen Konzernen, und das mache nichts. Sie merken nicht, dass sie auch die Künstler bestehlen.

Habt Ihr früher viele Konzerte gegeben?
PJ: Nur ganz wenige, ich wollte einfach kein Playback machen, und wir konnten die Musik technisch nicht so umsetzen, wie wir es wollten. Ich wollte zudem Gitarre spielen, weil ich das am besten kann live, aber für Stella war das damals zu wenig elektronisch.

Wieso spielst Du wieder vermehrt Gitarre?
PJ: Es macht mir einfach Freude. Ich hatte letztes Jahr eine Anfrage für ein Konzert am Tweak-Festival. Und ich sagte freudig zu, obwohl wir kein Repertoire hatten. Ich versprach eine audiovisuelle Show, weil ich das schon immer machen wollte. Ich hatte schon verschiedene Programme ausprobiert für live. Aber Mit Ableton Live hätte ich mich zum DJ degradiert, was ich reizlos finde. Irgendwann fand ich, dass ich am besten einfach Gitarre spiele, zurück zu meinen Anfängen, was das Publikum meistens schätzt und liebt. Stella hatte zwar Einwände…

Stella: Weil ich nun mal Vollelektronik liebe. Aber er spielt toll Gitarre und ich singe gerne dazu, mit Inspiration aus Afrika und anderswo – und viel Effekt auf der meist sphärisch wirkenden Stimme. Wir haben nun eine Mischung gefunden, wie wir beide uns verwirklichen können.

PJ: Im Juni 2009 haben wir am SYNCH-Festival in Athen gespielt. In den nächsten Jahren wollen wir herumreisen und auftreten. Im Prinzip macht jeder von uns an unseren Konzerten, was er will, auch wenn wir uns grob absprechen. Heute können wir endlich das realisieren, was wir schon in den 80er Jahren wollten, aber nicht konnten. Ist das nicht verrückt?