Google, sei nicht fies zu den Musikern!

Vor einigen Jahren entdeckte ich zufällig auf YouTube, dass jemand den “MUH!”-Trance-Remix von Matterhorn Project hochgeladen hatte, den ich in den 90er-Jahren produziert hatte. Er hatte 3.5 Millionen Views! Bevor ich versuchen konnte, meine Musik zu monetarisieren, wurde der betreffende YouTube-Kanal entfernt, offenbar aufgrund von anderen Copyright-Verstössen. Als YouTube Ende 2013 einen Vertrag mit der schweizerischen Urheberrechts-Organisation SUISA abschloss, wurde es auch für Schweizer Komponisten möglich YouTube-Partner zu werden. Ende Januar 2014 hatte ich den Status eines YouTube-Partners und begann mit Begeisterung, die von YT gewünschten Excel-Sheets meiner Musik zu erstellen und alle Tracks hochzuladen, denn ich wollte gerüstet sein für den Fall, dass wieder eines meiner Stücke losgehen sollte. Vor allem wollte ich endlich meinen Anteil an den vielen Uploads meiner Stücke durch Dritte. Leider musste ich in meinen Reports bald feststellen, dass da nicht viel herausschauen würde.

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151’781 Views mit 681’104 Spielminuten während 11 Monaten generierten ein Einkommen von 10.02 US-Dollars! Eine Million Views würden demnach etwa $65 einbringen, eine einzelne View etwa $0.000065. Wie soll ein Musiker überleben mit solchen Einkünften?

Zudem ist YouTubes Auszahlungslogik schwierig zu verstehen, um es milde auszudrücken. Weshalb ergeben 20’926 Views von “9. Best of Chillout…” $2.96, aber 17’594 Views von “Funny cows singing mix” nur $0.28? Ich weiss es nicht. Derselbe Song unter dem Namen “La chanson de la vache Techno remix” zahlt $2.20 für 24’908 Views. 7’498 Views “MUH! by Matterhorn Project (original 80ies video)”, wieder derselbe Song, ergeben überhaupt keine Auszahlung. Das ist sehr seltsam. “High Energetic Core” mit 3’651 Views zahlt nur gerade $0.01, lächerlich. Wenigstens ist es OK, dass “PJ Wassermann – I Am One” bei Null steht, denn bei diesem Song wollte ich keine Werbung. Jedenfalls entsteht der Eindruck, dass sich Youtubes Berechnungs-Algorithmen auf etwa demselben mickrigen Niveau befinden wie die Auszahlungen.

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Viele Musiker haben sich in letzter Zeit beschwert über die niedrigen Auszahlungen von Pandora und Spotify. Mir scheint, dass YouTube noch schlimmer ist. YT erlaubt jedem Benutzer, Musik hochzuladen, für die er keinerlei Berechtigung hat, und die Auszahlung an die Rechteinhaber ist extrem mager.  “Don’t be evil” heisst der offizielle Slogan von Google, der Mutter-Firma von YouTube, und Google scheffelt Milliarden mit seinen Internet-Suchdiensten, an deren Ertrag Musik einen wesentlichen Anteil hat. Deshalb: Google, sei bitte nicht fies zu den Musikern!

 

Dies ist die Musik, die einmal 3.5 Millionen Views hatte:

 

Dies ist das Original-Video zum selben Song, für den hier $0.00 abgerechnet werden:

 

Dies ist ein Beispiel für die Musik, die ich heute mache und die ich bisher noch nicht monetarisiert habe: